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05.01.2012
Trojaner T-Shirt - Social-Media-Hit 2011
Die „Operation Trojaner T-Hemd“ war der Social-Media-Hit des Jahres 2011 ....
Mit einem trojanischen Shirt hat EXIT-Deutschland im Sommer 2011 für Aufsehen in der rechtsextremen Szene und darüber hinaus gesorgt.
Fast 100.000 Mal wurde der Artikel, den die Süddeutsche Zeitung über die Aktion geschrieben hat, bei Facebook, Twitter und Google+ empfohlen - eine gigantische Zahl, an die 2011 laut
ZDF-Hyperland-Charts kein anderer publizistischer Beitrag herankam.
Aber nicht nur die Empfehlungen in sozialen Netzwerken waren gigantisch. Mehr als hundert internationale Medien berichteten über die „Operation Trojaner T-Hemd“, darunter Times, Guardian, BBC, Le Monde, die Rachel Maddow Show, The Local, Toronto Sun, Herald Sun oder Chinadaily.
Hinzu kamen Berichte in der australischen, neuseeländischen, japanischen, polnischen, russischen und südafrikanischen und arabischen Presse. In Deutschland berichteten über 200 Zeitungen, Blogs und Foren über die Aktion, darunter die Süddeutsche Zeitung, der Stern, der Spiegel und viele andere Tageszeitungen.
Mit dieser erfreulichen und positiven Resonanz haben wir nicht gerechnet und hoffen, dass dem Thema Rechtsextremismus und den Initiativen, die sich mit dem Thema befassen, auch zukünftig
eine entsprechende Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.
Vielen Dank an alle Unterstützer und die vielen positiven Rückmeldungen.
Infos zur "Operation Trojaner T-Hemd" >>>
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01.12.2011
Rechtsextremer Terrorismus - Interviews mit Bernd Wagner
28. November 2011
Extremismusforscher Wagner
"Die Behörden hatten keine Ahnung, mit wem sie es zu tun haben"
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,799884,00.html
23. November 2011
Rechte Gewalt in Deutschland - Der Sicherheitsstaat ist entgleist
Die rechtsextreme Mordserie bringt nicht nur die Staatsorgane ins Wanken - sie zeigt: Neonazis setzen der Gesellschaft mehr zu, als sie wahrhaben will. Ein Gastbeitrag von Bernd Wagner
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17.11.2011
Fachtag
Moderner Rechtsextremismus im Landkreis Dahme-Spreewald
16. November 2011 in Halbe
Seit Jahren engagiert sich der Landkreis Dahme-Spreewald in Sachen Demokratie und gegen verfassungsfeindliche Bestrebungen von Rechtsextremisten aller Schattierungen. Umso mehr war
die nun erkannte, unsägliche terroristische Blutspur und Wirksamkeit von Rechtsstaat und Demokratie ein Anlass, erneut Bilanz zu ziehen und Positionen neu zu bestimmen. Dem diente der „Fachtag Moderner Rechtsextremismus im Landkreis Dahme-Spreewald“. Die Initiative dafür ging vom Landkreis aus und wurde im Rahmen des Lokalen Aktionsplans in Zusammenarbeit mit der Initiative EXIT-Deutschland ausgerichtet. Teilgenommen haben Träger der Jugendhilfe, Vertreter aus Politik und Verwaltung, Bürgerbündnissen und Kirche. Im Mittelpunkt des Tages standen die Fragen, wie die Werte der Demokratie im Alltag zu sichern sind, wie sie vermittelt werden können, welche Möglichkeiten und Grenzen es gibt. Zugleich wurde erörtert, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um den ideologischen, demokratiefeindlichen und gewaltorientierten Fanatismus von Rechtsextremisten aller Altersgruppen verringern zu können. Vorträge von Winfriede Schreiber (Chefin des Brandenburger Verfassungsschutzes), Bernd Wagner (EXIT-Deutschland), Professor
Hajo Funke (Freien Universität Berlin) lieferten dafür detailreiche Grundlagen. Eine Analyse derzeitiger Aktivitäten und eine Podiumsdiskussion mit ehemaligen Naziaktivisten aus militanten rechtsextremistischen Szenen brachten wichtige Aufschlüsse. Im Ergebnis wurde festgehalten, dass Leben und Gesundheit, Freiheit und Würde von Menschen nur dann erfolgreich geschützt werden können, wenn die Sicherheitskräfte in enger Verbindung mit der gesamten demokratischen Gesellschaft, der Politik, der Verwaltung und Bürgergruppen arbeiten.
Als ein wichtiges Erfordernis wurde dabei die Schnelligkeit und angemessene Dichte der Kommunikation von staatlichen Veranwortungsträgern und Bürgerorganisationen im Land und im Kreis herausgehoben. Landrat Stephan Loge, der ein klares Bekenntnis zur Sicherung der Grundrechte durch den demokratischen Staat abgab, mahnte zusammenfassend an, ein neues Kommunikationsmodell zu entwickeln, das auch angesichts terroristischer Bedrohungen den Anforderungen standhält.
Außerdem muss das Engagement stärker als bisher mit professionellem Können auf allen Gebieten der Intervention für die Freiheitswerte verbunden werden, hieß es auf dem Fachtag. Die unmittelbare kritische Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen Ideologien gehöre mehr noch als bisher zum täglichen Handeln, betonten viele Teilnehmer.
Der Fachtag zeigte somit Leitlinien des künftigen demokratischen Handelns zwischen Bewährtem und Neuem auf. Es wurde neue Verabredungen zur Zusammenarbeit getroffen und neue Ideen für mögliche Initiativen entwickelt.
EXIT-Deutschland
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14.11.2011
Rechtsextremer Terrorismus
ZDF stellt Drei Fragen an Bernd Wagner
Auf rechtem Auge kurzsichtig?
Fehler bei den Geheimdiensten?
Welche Konsequenzen sind nötig?
http://modultool.zdf.de/public/Drei_Fragen_an_Bernd_Wagner/index.html
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19.10.2011
Bumerang? Zur Frage der Vergangenheit in rechtsextremen Gruppen und Parteien
Die Vergangenheit kommt immer wieder zurück. Sie lässt sich trefflich einsetzen, um einen Mythos zu weben oder Menschen zu demontieren.
Nun ist nicht jede Vergangenheit überall präsentabel, weil sie belastet ist von Ansichten und Taten, die abgelehnt oder geächtet werden. Dazu gehört heute die Mitgliedschaft in rechtsextremen Gruppen und Parteien. Mit der Feststellung einer solchen Vergangenheit wird nicht selten der Gedanke verbunden, dass sie eine „unheilbare Krankheit“ darstelle, gar ein Verbrechen, dass sich als Stigma bis zum Tode eines Menschen hinziehe. Andere dagegen meinen, dass es mit der Feststellung getan sei, dass nur eine Jugendsünde begangen worden sei.
Die Frage jedoch ist eine andere. Wie stelle ich mich heute zu meinen Ansichten und Einstellungen zum Menschen, welches Bild habe ich von ihm, welche Vorstellungen habe ich von den Werten der Gesellschaft. Lebe ich in einer inneren Welt, die die Freiheit, die Würde, die Rechte jedes Menschen, die Gleichwertigkeit verwirft oder in einer, die sich diesen Werten verpflichtet sieht. Bin ich gegen oder für diese Menschenrechte tätig, achte und fördere ich die Grundrechte anderer oder gehe ich gegen sie vor. Dazu gehört die Frage, ob und welche Schuld ich auf mich geladen habe, die Rechte und Freiheit von Menschen, deren Leben und Gesundheit beschädigt zu haben. Für die Gegenwart und die Zukunft wichtig ist es, in welche Richtung ich mich entschieden habe, welche Verantwortung ich übernehme, wofür ich mich heute aus innerer Überzeugung eintrete. Das schließt die politische Aktivität mit ein. Strafrechtliche und moralische Schuld zu bekennen, gehört als Akt dazu.
Es gehört zu einem heutigen Bild der Menschenwürde, dass es möglich ist, eine neue Haltung zum Leben und zu anderen Menschen, zu den gesellschaftlichen Verhältnissen einzunehmen, für neue Überzeugungen einzutreten. Deshalb ist es nicht politisch und moralisch verwerflich, wenn ein ehemaliges Mitglied der NPD sich in einer demokratischen, nicht verfassungsfeindlichen Partei mitwirkt und auch Verantwortung übernimmt. Die Voraussetzung ist natürlich, dass das Weltbild der NPD und anderer Rechtsextremisten aus dem Kopf verschwunden ist.
Es gibt ehemalige Nazis und NPDler, die sich heute in einer der demokratischen Partei engagieren. Andere helfen im AKTIONSKREIS Ehemaliger mit, über den menschenfeindlichen Charakter von Ideologien der Ungleichwertigkeit aufzuklären und den Weg ihrer persönlichen Einsicht zu verdeutlichen. Das ist kein Spaziergang, weil auch Schande öffentlich bekannt wird, auf die die Betreffenden nicht stolz sind.
Sinnvoll ist es, Menschen, dort wo es geboten erscheint, über die eigene Vergangenheit zu informieren. Das ist dann unzweckmäßig, wenn Gefahr für Leib und Leben droht. Dort aber wo politische, öffentliche Funktionen in Rede sind, sollte über die Vergangenheit und ihre inhaltlichen Fragen in politischer und ethischer Hinsicht gesprochen werden, auch wenn es allen Beteiligten wehtut. Ausgrenzung und Ächtung sind der falsche Weg.
Bernd Wagner
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17.10.2011
Mit Nazis reden
Soll man mit Rechtsextremen reden und wenn ja, wie? Und wenn nein, warum nicht? Reicht es zu sagen, man wolle nicht an jeder Mülltonne schnuppern, oder macht man es sich da nicht zu einfach? Spreeblick sprach dazu mit Bernd Wagner von EXIT-Deutschland, der dafür plädiert mit Nazis zu reden.
SPREEBLICK: Aus welchem Milieu stammen Ihren Erfahrungen nach Mitglieder der rechtsextremen Szene?
WAGNER: Soziologisch gesehen sind Menschen aus allen sozialen Klassen und Schichten dort anzutreffen. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den rechtsextremen Zusammenschlüssen. Junge Leute dominieren, besonders jüngere Männer. Diese bilden den vordergründig den aktionistisch-öffentlichen, radikalen Teil, das Gewaltmilieu. Geführt werden sie zumeist von Männern über 20 Jahre, manche „altgedient“ viele Jahre dabei. Junge Familien spielen eine zunehmende Rolle.
Eine vollständige Sozial- und Mentalitätsstrukturanalyse gibt es derzeit nicht, allenfalls verschiedene Splitter, die neben der Beobachtung der Szene, Zahlen und Proportionen von Szenemerkmalen darstellen. Ebenfalls ist das Gesamtpotential nicht klar herausgearbeitet, zumal die Muster, nach denen Rechtsextremisten als solche vermessen werden, höchst unterschiedlich aufgebaut sind, mitunter recht willkürlich. Ämter wie der Verfassungsschutz, vermessen kurz, Polizeien noch kürzer, andere länger. Einige Faustregeln: Arbeitsaufwand, Definition weg vom Gefahrenfaktor, politisch-ideologischer Status. Wieder Andere haben keine Vorstellung und keinen Plan, auch eine Methode der Auseinandersetzung.
Diese Lücken sind allerdings zu verschmerzen, werden doch angesichts derer als Ausgleich kühne und verwegene politische Entscheidungen gefällt, wie „Sonderprogramme“ für viele kleine Initiativen und das Gesichter-Zeigen gegen den Rechtsextremismus, oft sind es dann streubreite Bemühungen um gute Haltungsnoten, darunter aber auch einige sehr wertvolle Beiträge für Freiheit und Menschenwürde.
Die wichtigste Zahl, die diese Entscheidungen grundiert, ist die der potentiellen Wähler. Das Wählerfeld wird von den herausragenden Wahlforschern beständig auf nicht mehr als 15 Prozent
der Wahlberechtigten bestimmt. Zwar hilft das nicht den Opfern rechtsextremer Gewalt, beruhig
aber elitär Etablierte in Büros, auf Jachten, in Partyrooms und Panzer-Limousinen.
SPREEBLICK: Inwiefern ist ein Mitglied der rechtsextremen Szene politischen Argumenten zugänglich? Anders gefragt: Lassen sich Rechtsextreme in Diskussionen überzeugen?
WAGNER: Das wohl kaum und das schon gar nicht in einem Akt, nach dem Motto „Wort erleuchte“. Überzeugungen sind ein Ergebnis langer Wege die Menschen gehen, abhängig von Bildung und Erfahrungen, von den Werten und Erkenntnissen über die Welt, abhängig von Vorbildern und Machtverhältnissen. Doch argumentieren, nicht mit politischen Demokratiefloskeln und künstlicher Aufregung, was gerade hoch in Blüte steht, ist nicht zwecklos, wenn es Denken anregt, Zweifel hervorbringt, andere Begründungen von Ereignissen und Zusammenhängen. Schon oft kam es dadurch nach längerer Zeit zu einem „Andersdenken“, das der erste Schritt zum geistigen und wirklichen Ausstieg aus der Szene sein kann. Also ran an die Argumentation. Und immer wieder,
nicht nachlassen. Die rechtsextremen Ideologien sind nicht wetterfest, auch nicht in ihrer Gewalt-Aura. Dazu sollte unbedingt Wissen über die inneren Zusammenhänge und Elemente rechtsextremer Weltanschauungen und den zu „argumentierenden Rechtsextremisten“ vorhanden sein und nicht nur das Merkblatt für weiße demokratische Ritter. Auch die Situation und der Anlass sind nicht unwichtig. Persönliche Arroganz und Überlegenheitseinbildungen sind schlechte Begleiter, um Leute
anzusprechen. Ethik ist ein sehr wichtiger Bereich und der der Geschichte der menschlichen Verhältnisse sowie die Frage nach den Ideologien und politischen Religionen, die Glaubens- und Wahrheitsbilder. Sie sehen, ein komplexes Ding. Es ist eben doch nicht so einfach, mit pauschalen Abwertungsparolen, Bannflüchen und Ausgrenzungsaktionen neue Sichten und Überzeugungen zu vermitteln.
SPREEBLICK: Gibt es bestimmte Voraussetzungen für solche Diskussionen?
WAGNER: Wie gesagt, Kenntnisse, Intuition, Menschenkenntnis, situativer Überblick, Sprache und ihr sicherer Gebrauch, Analysekraft und Schlagfertigkeit. Das sind wichtige Voraussetzungen für derartige Gespräche. Die Wahl der günstigen Situation. Der Mut zu bekennen auch unter mancher Unkenntnis zu leiden, wenn es so ist. Umgang mit Aggressivität lernen. Das ist wahrlich nicht einfach, aber immer wieder notwendig zu trainieren. Gespräche sollen auch abgebrochen werden, wenn es im Augenblick ein negativer Kreislauf ist. Und doch: einen Faden zu behalten für ein weiteres, wenn es aushaltbar erscheint. Wenn es gewalttätig wird, geht natürlich nichts mehr, notfalls nur der Staatsanwalt.
SPREEBLICK: Sie helfen Menschen, die aus der rechtsextremen Szene aussteigen wollen: Welche Gründe haben diese Menschen, auszusteigen?
WAGNER: Sehr viele lebenspraktische, persönliche und idealistische Gründe. Sie zweifeln und haben die Schnauze voll, sie sehen sich auf einem persönlichen, ideologischen und politischen Irrweg, in unterschiedlichen Proportionen. Manche Aussteiger wollen einfach nicht mehr von selbsternannten Rassisten-Stars missbraucht, manipuliert und auf die Nationale Revolution vertröstet werden, wollen nur einen friedlichen Lebensweg gehen, mit Mutter und Vater, Frau und Kind ohne Hass und Gewalt, ohne Knast. Ein neuer Sinn wird gebraucht, nicht der des Bewegungssoldaten für die „Sache“. Wieder andere sind ausgebrannt und glauben nicht mehr an den Endsieg. Die historische Mission ist passé. Sie ist in ihren Köpfen nur noch eine Lüge, der sie glaubten und dem Leben eine Zeit lang Orientierung und Bedeutung gab. Eine Pseudologia Phantastica.
Dann sind da noch politische und Glaubens-Dissidenten, die zu Recht die notwendige öffentliche Kritik suchen. Alle zusammen leben Formen der Dissidenz von der extremistischen Bewegung, wenn die innere Bindung aufhört, ein neues Denken aufkommt und sich durchsetzt. Das ist möglich und soll möglich sein, auch wenn die Zweifler an dieser Möglichkeit weit verbreitet sind. Oft sind diese selbst Irrgläubige. Im Unterschied zur Antifa oder Staatsbeamten sehe ich keine wertvollen oder banalen Gründe, die nach einer grobschlächtigen Skala benotet werden, nach der der menschliche Wert und gesellschaftliche Zuwendung bemessen werden. Diese Zuwendung ist wichtig für den Wert der demokratischen Werte der Freiheit und Menschenwürde und deren Wehrhaftigkeit.
Frédéric Valin | 28.09.2009
Artikelübernahme mit freundlicher Genehmigung von spreeblick.com. Der gesamte Artikel kann unter: www.spreeblick.com/2009/09/28/mit-nazis-reden/ abgerufen werden.
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10.10.2011
Der Feind liest mit ...
Das Thema Internet ist auch für Neonazis relevant. Im Web 2.0, auf Blogs und in Foren tummeln sie sich. Über die Wichtigkeit des Internets sprachen wir mit Franka, die bis vor kurzen in der Neonazi-Szene aktiv vor.
EXIT: Ist das Internet ein wichtiges Medium für die Naziszene?
Natürlich ist es wichtig. In den letzten sechs Jahren hat sich 70 bis 80 Prozent der Vernetzung ins Internet verlagert. Wichtiger als die öffentliche NPD-Seite oder die sozialen Netzwerke sind die versteckten Foren, auf denen für Demonstrationen geworben wird. Es gibt sogar Kontaktbörsen von Neonazis. Dort bleibt man unter sich und kann sich austauschen. Darauf sollte man das Augenmerk richten.
EXIT: Und wie komme ich als außenstehende Person in solche Foren?
Wenn man an die Adresse von versteckten Foren herangekommen ist, braucht man bestimmte Zugangsdaten. Die User werden auch manchmal überprüft, ob sie auch wirklich in die Kreise gehören. Das heißt, man muss entweder einen Nachweis schicken, seine Telefonnummer oder seinen Wohnort preisgeben. Wenn man nicht sagen kann, mit welchen Kameradschaften man Kontakt hat, wird man nicht rein gelassen. Es gibt auch öffentliche Foren. Da kann man sich einfach anmelden.
EXIT: Und hält man sich in öffentlichen Foren dann zurück, weil der „Feind“ mitlesen könnte?
Ja, bei öffentlichen Foren, die eigentlich nur für Nazis sein sollten, wird man nichts bekanntgeben und sich auch nicht austauschen. Dazu wird auf geschlossene Foren verwiesen, in denen man sich erst einmal „outen“ muss. Kameradschaften haben unter sich eigene Foren und Webseiten, über die das Ganze läuft.
EXIT: Wenn man sich die Kommentare auf Altermedia oder Thiazi anschaut: wie werden die moderiert?
Das ist von Forum zu Forum verschieden. Es gibt neben dem Betreiber meist noch Administratoren und Moderatoren, die sich darum kümmern, Kommentare freizuschalten oder zu löschen. Wenn es öffentlich ist, schauen sie auch, ob es strafrechtlich relevant ist. Da kommt es aber auch darauf an, ob der Server im In- oder Ausland liegt.
EXIT: Das ist aber auch viel Arbeit, oder?
Ja, die meisten sind arbeitslos und sitzen dann den ganzen Tag vor dem PC. Da geht nichts nebenbei. Es gibt Demonstrationen und Internet. Die leben für die Sache und fühlen sich als würden sie unheimlich viel für ihr Deutschland machen. Bei Altermedia zum Beispiel müssen es mehr als drei Leute sein, damit es funktioniert.
EXIT: Und wie sieht es mit Anweisungen aus, wie Neonazis sich im Internet verhalten sollen?
Ich denke, damit wird einfach nur abgelenkt von der vorhandenen Vernetzung. Hinter den Kulissen kann man gerade mit dem Internet mehr machen und so lenkt man vom eigentlichen Fokus ab.
EXIT: Was ist mit Profilen bei den sozialen Netzwerken? Wie wird reagiert, wenn die gelöscht werden?
Dann macht man sich eben ein neues. Manche haben auch mehrere Profile und sind mit einem immer irgendwie online. Man fällt auch nicht immer gleich mit der Tür ins Haus und kleistert alles mit Hakenkreuzen zu. Es gibt natürlich Dumpfbacken, die das immer wieder tun. Aber es gibt auch die, die subtiler sind und sich an linken Gruppen oder der Polizei vorbeischleichen.
EXIT: Die Vernetzung hat durch das Internet zugenommen. Kann sich die Szene dadurch schneller mobilisieren?
Es könnte so funktionieren, aber dazu sind Nazis zu phlegmatisch. Man muss wochenlang anpreisen und mobilmachen, dann klappt es. Wenn man das nicht macht, sind vielleicht 30 Leute da. Aber mit dem Internet kann man auf Demonstrationen besser reagieren. Bei Blockaden oder Interventionen der Polizei kann man Informationen einfach abrufen, sich dann anders formieren oder woanders hingehen. Da wird sich die Rolle des Internets noch weiterentwickeln.
Das Interview führte Fabian Wichmann.
Das Interview erschien zuerst in der Zeitung "Ermutigen" der Amadeu Antonio Stiftung.
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10.10.2011
HNG-Verbot
Die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." (HNG) wurde verboten ...
Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich hat mit Wirkung vom heutigen Tag (21.09.2011) den bundesweit größten Neonazi-Verein, die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." (HNG), verboten. Seither laufen in den Ländern Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Durchsuchungs- und Beschlagnahmemaßnahmen gegen führende Mitglieder der HNG.
Die HNG war bereits im Herbst vergangenen Jahres Ziel einer breit angelegten Durchsuchungsaktion.
Die zwischenzeitlich ausgewerteten Funde verdeutlichen, dass sich die HNG dem aktiven Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verschrieben hat. Unter dem Motto "Drinnen wie draußen eine Front." bestärkt die HNG unter dem Deckmantel einer vermeintlich karitativen Betreuung von Strafgefangenen inhaftierte Rechtsextremisten in ihrer nationalistischen Über-zeugung und motiviert sie, in ihrem "Kampf gegen das System" fortzufahren. Demnach ist es gerade nicht ihr Ziel, straffällig gewordene Rechtsextremisten zu resozialisieren, sondern im kriminellen rechtsextremistischen Spektrum dauerhaft zu verankern.
Dazu erklärte der Bundesminister des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich:
"Es war nicht länger hinnehmbar, dass inhaftierte Rechtsextremisten durch die HNG in ihrer aggressiven Haltung gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung bestärkt werden. Aus Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats sowie der Verherrlichung des Nationalsozialismus versuchte die HNG, rechtsextreme Straftäter in der Szene zu halten. Die HNG hat zur verzeichnenden Radikalisierung der Neonaziszene beigetragen. Mit Solidaritätsbekundungen und finanzieller Unter-stützung stärkte und festigte die HNG über den einzelnen inhaftierten Rechtsextremisten hinaus zugleich auch die rechtsextremistische Szene als Ganzes. Dem galt es, mit den Mitteln der wehr-haften Demokratie wirksam entgegenzutreten. Das haben wir mit dem heutigen Verbot getan."
http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/09/verbot_hng.html
EXIT-Deutschland hat die FDP-Fraktion des Deutschen Bundestages, die ein Verbot der HNG beantragt hatte, bei der Erarbeitung der Fakten und Argumente unterstützt. Besonders aktiv
dabei waren ehemaligen Nazis, die mit Hilfe von EXIT-Deutschland ausgestiegen und heute im "AKTIONSKREIS ehemaliger Rechtsextremisten" tätig sind, die mit ihren Kenntnissen und eigenen Erlebnissen aus der Organisation heraus viel dazu beitrugen.
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09.08.2011
Attentat in Norwegen - Werkstattgespräch und Interviews
EXIT-Deutschland analysiert Hintergründe
Interview mit Bernd Wagner
Der Attentäter von Oslo und sein ‚Manifest’
EXIT-Deutschland Werkstattgespräch am 26. Juli 2011 von 12-14 Uhr, Berlin
Am 26. Juli zwischen 12 und 14 Uhr richtete EXIT Deutschland ein Werkstattgespräch zum Osloer Attentäter Anders Breivik und seinem „Manifest“ aus. Es wurden die bisher bekannten Details zur Person zusammengeführt und anschließend sein über 1500 Seiten starkes Werk „2083 – A Declaration of European Independence“ im Detail vorgestellt und analysiert.
Besonderes Augenmerk erhielten die verschieden ideologischen Versatzstücke und Konstruktionen, welche von den Teilnehmern aufgrund der vielfältigen Bezüge zu verschiedensten rechtsextremen Gedankensystemen weltweit als eine recht neuartige Mischform aus diesem Spektrum im europäischen Raum wahrgenommen wurde.
Nach den Diskussionen und Auswertungen der einzelnen thematischen Einheiten des Buches wurden auch die möglichen Auswirkungen auf die europäische, besonders die deutsche, Szene besprochen. Breiviks Ideologie stellt dabei eine äußerst untypische Form des Rechtsextremismus in Europa dar. Dennoch ist davon auszugehen, dass sein Werk, nicht nur durch die zahlreichen und detaillierten praktischen Handlungshinweise (Waffenkunde, Anleitung zur Herstellung von Sprengstoff, Planungsratschläge etc.), sondern eben auch durch diese neuartige und für deutsche Rechtsextremisten größtenteils unbekannte christlich-religiös konnotierte Version einer xenophoben Hassideologie ein äußerst vielseitig nutzbares Repertoire darstellen wird. Obwohl die dezidiert Israel und USA freundlichen Töne des Norwegers und seine christlichen Kreuzzugsfantasien für deutsche Rechtsextremisten befremdlich wirken müssen, bieten sie doch eine Art „unentdecktes Land“ für diese Gruppen hier in Deutschland und Europa.
Da Breivik sich in seinem Werk und in Vernehmungen bereits seiner umfassenden europa- und weltweiten Kontakte rühmte und die von ihm präsentierte Ideologie ausdrücklich „pan-europäisch“ und übernational angelegt ist, kann man eine weitere Verwendung in europäischen Kreisen erwarten.
Durch die Anschläge hat Breivik, wie in seinem „Manifest“ als „Marketingstrategie“ beschrieben, seinem Konvolut aus u.a. Islamophobie, Kreuzfahrerromantik, konkreten Strategien und Ratschlägen eine für Extremisten schwer zu widerstehende Anziehungskraft verliehen.
Im Hinblick auf die Rezeption und Verbreitung seiner hochspeziellen Kulturkampftheorien muss man leider sagen, dass sein Plan schon jetzt aufgegangen ist.
Daniel Köhler, 27. Juli 2011
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27.07.2011
EXIT-Deutschland - Neue Publikationen
EXIT-Deutschland stellt zwei neue Studien zum modernen Rechtsextremismus in Südbrandenburg vor ..
Volkstod und Unsterblichkeit. Moderner Rechtsextremismus in Südbrandenburg - Agitation, Erscheinungsbild und Kontinuität, EXIT-Deutschland, Berlin, Juni 2011
Lagebericht. Rechtsextremismus im Landkreis Dahme-Spreewald, Mai 2011, EXIT-Deutschland,
Berlin, Mai 2011
