Jakob Ganslmeier & EXIT-Deutschland präsentieren:

Unter die Haut / Under the skin – Ehemalige Neonazis
und ihre Symbole

Für das Projekt begleitete der Fotograf Jakob Ganslmeier über 3 Jahre intensiv die Arbeit von EXIT-Deutschland und die Ausgestiegenen in ihrem Ausstiegsprozess. Das Projekt ist eine Kombination aus Fotografien und Interviews und soll den Prozess tiefgreifender Veränderungen sichtbar machen. Er fotografierte und dokumentierte damit den sichtbaren Prozess des Ausstiegs, führte Interviews und Gespräche mit Ausgestiegenen und Mitarbeitern von EXIT-Deutschland, war bei Über-Tätowierungen (Cover-Up-Tattoos) oder Tattooentfernungen dabei. Er sah dabei die Erfolge, aber auch die alltäglichen Probleme im Ausstiegsablauf. Ein langer Prozess, der durch das Projekt „Unter die Haut / Under the skin – Ehemalige Neonazis und ihre Symbole“ sichtbar wird. Aufgrund der Anzahl der Bilder, Interviews, unterschiedlichen Wege, Perspektiven und Gegenüberstellungen, schafft die künstlerische Arbeit einen neuen Einblick und Zugang zu den Themen Rechtsextremismus und Ausstieg.

Fotografische Portraits dokumentieren den Prozess des Ausstiegs ehemaliger Neo-Nazis. Jene Abkehr von einer ideologisch aufgeladenen individuellen und kommunitären Lebenswelt wird anhand der Entfernung rechtsextremer Tätowierungen nachvollzogen.

Der Fokus der Fotoarbeit liegt darauf, die Entfernung zum Teil großflächiger rechtsextremer Symbole und Zeichen, in Form von Tätowierungen, zu zeigen. So verschwinden die körperlichen Einschreibungen, die bis dahin jahrelang Ausdruck der eigenen Identität und politischen Weltanschauung waren.

In den Interviews beschreiben die portraitierten Ausgestiegenen ihre damaligen Aktivitäten in und ihren Weg aus der rechten Szene. Die mit dem Ausstieg verbundene Diskontinuitätserfahrung und die mit der Identitäts- (Re)Konstruktion verbundenen Probleme sind – abhängig von der Person, ihrer Funktion, der Verweildauer und der ehemaligen Bezugsgruppe – entsprechend komplex. Ein- und Ausstiegsgründe sind, so zeigt die Praxis, individuell differenziert und multikausal. Die Interviews ergänzen die Fotos zu Themen, die die Bilder nicht beantworten können:
Kann ein tätowiertes Symbol das Andere ersetzen, wird das neue Tattoo oder die Leerstelle auch wieder Teil der eigenen Identität? Ist die Entfernung oder das Covern der Symbole der Anfang oder Ende des Ausstiegsprozesses? Wie spiegelt die Entfernung den inneren Prozess, auf welche Weise haben die Frauen und Männer eine innere Distanz gewonnen und ihre früheren Überzeugungen abgelegt? Haben die Ausgestiegenen einen neuen inneren Kompass entwickelt, der sie trägt und ihnen Halt bietet?

Wir möchten uns bei allen Ausgestiegenen für ihre Offenheit und Unterstützung sowie allen Partnern und Förderern bedanken. Die Ausstellung wurde mit Spenden der Band Die Ärzte sowie der Telekom realisiert.

„Unter die Haut / Under the skin – Ehemalige Neonazis und ihre Symbole“ ist ein Projekt des Fotografen Jakob Ganslmaier und EXIT-Deutschland und im Rahmen der künstlerischen Arbeit „Haut. Stein.“ des Fotografen entstanden.

Ein Teil der Arbeit wird im Rahmen der Gruppenausstellung „Die Anderen sind Wir. Bilder einer dissonanten Gesellschaft“ (17.8.—13.10.2019) im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst erstmalig präsentiert. Mehr erfahren.

Das Projekt besteht aus 13 gerahmten 120 cm x 96 cm großen Portrait-Bildern. Ab November 2019 können sich Einrichtungen an EXIT-Deutschland wenden, wenn ein Interesse an der Ausstellung besteht.

Ausstellungsorte

  • 2019 Die Anderen sind wir | Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus
  • 2019 Neo-Right | BWA Galeria, Zielona Gora, Polen
  • 2019 Haut, Stein | Werkschau, FH Bielefeld

English version

Projektverantwortliche

Jakob Ganslmeier / Fotograf
+49 172 576 15 49
Mail
Homepage

Fabian Wichmann / EXIT-Deutschland
+49 177 – 2404806
Mail

Pressestimmen

  • „In diese Augen sehen und leichtfertig urteilen, das wird nicht funktionieren.“ Sylvia Belka-Lorenz (rbbKultur) über die Ausstellung „Unter die Haut“, von Jacob Ganslmeier und uns.
  • Diese Fotos dokumentieren die Entfernung von Nazi-Tattoos Jetzt.de

  • MOZ.de über die Ausstellung (mit Video)