Kein EXIT ohne EXIT

Seit dem Jahr 2000 bietet EXIT-Deutschland Hilfen für Personen, die aus der rechtsextremen Szene aussteigen wollen. Bernd Wagner, Leiter von EXIT-Deutschland, war schon in der DDR als Kriminalpolizist mit Neonazis befasst – hat sie für ihre Straftaten hinter Gitter gebracht, Ideologie, Strukturen und Vorgehensweisen studiert und analysiert. Schon damals stellte er fest, dass Repression bei der Verfolgung und Ahndung von Straftaten unerlässlich ist, aber kein Mittel, um Rechtsextremisten von ihrer Ideologie abzubringen – die notwendige Voraussetzung dafür, dass diese von politisch motivierter Gewalt ablassen.
Mit der Wende vereinigten sich auch die Neonazis zu einer neuen Dimension des Rechtsextremismus in Deutschland. Die Ereignisse der 1990er Jahren sind in bleibender Erinnerung. Einer der führenden Neonazis der damaligen Zeit in Berlin war Ingo Hasselbach. Bernd Wagner, nun Leiter Staatsschutz für die Neuen Bundesländer, kannte ihn schon als Nazianführer in der Wende-DDR. 1993 wollte er aussteigen. Kein leichtes Unterfangen. Aussteiger gelten als Verräter, die einschließlich ihrer Verwandten und Helfer verfolgt, nicht selten mit dem Tode bedroht werden und gar getötet worden sind. Ohne Hilfe von außen ist das meist nur schwer zu bewältigen. So entstand die Idee zur Gründung von EXIT-Deutschland.

Die Bilanz: 25 Jahre Arbeit, 40 Jahre Erfahrung, über 1000 Aussteiger und eine permanent unsichere Finanzierungslage.

Ein Ausstieg dauert im Schnitt zwischen 1-3 Jahren, eine Begleitung oftmals noch Jahre darüber hinaus, vor allem, wenn Kinder mit betroffen sind oder bei einer Odyssee durch mehrere Bundesländer und Ämter. Eine fatale und gefährliche Situation für die Aussteiger, wenn die Begleitung abgebrochen werden müsste.

Hier kommen einige von ihnen zu Wort.

Frauen und Männer aus ganz Deutschland, aus den unterschiedlichsten Strukturen und Szenemilieus, jeder Ausstieg so individuell wie die Person und doch ähnlich in den Erlebnissen und alle mit dem Fazit – die Unterstützung war wichtig. Trotz ihrer teilweise dramatischen Sicherheitslage ergriffen sie 2019 das Wort, um sich dafür einzusetzen, dass die Hilfe, vor allem auch für andere, die aussteigen wollen, nicht wegbricht. Aus Sicherheits-gründen wurden einige Gesichter durch ein Symbolbild ersetzt oder mit einem nicht mehr aktuellen Foto abgebildet. Die Namen sind bis auf Ausnahmen verändert.

EXIT-Deutschland bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Niemand kommt darum herum, sich seinen Taten zu stellen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Aber jeder hat das Recht auf einen Neuanfang. Und es ist die Pflicht einer demokratischen Gesellschaft, diesen zuzugestehen und zu unterstützen.

Heute finanziert sich EXIT-Deutschland vollständig über Spenden.

Juni 2025

Ausstellung

Einige Tafeln waren eine Woche lang vom 14.-18.07.2025 im Rahmen der Elblandfestspiele
in Wittenberge zu sehen.
Eingangsbereich zum Festspielgelände.